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Freitag, 18. Mai 2012

Speichelsteinzertrümmerung


Bis vor wenigen Jahren mussten 70-80 Prozent aller Patienten bei der Diagnose "Speichelstein" operiert werden. Die betroffene Speicheldrüse wurde dabei komplett entfernt. Eine operative Entfernung der betroffenen Drüse ist mit dem Risiko verbunden, benachbarte Strukturen wie z. B. Gesichtsnerven zu verletzen. Höchste Prioritäten haben die Schonung der Gesichtsnerven sowie nebenwirkungsarme und drüsenerhaltende Speichelsteinbehandlungen.

Bei größeren Steinen der Ohrspeichel- und Unterkieferdrüsen und entsprechenden Gangabschnitten ist die drüsenerhaltende, sonografisch kontrollierte Extrakorporale Stosswellenlithotripsie seit 1996 die Therapie der ersten Wahl vor einer Operation. Die Steindesintegration gelingt dabei in der Regel so vollständig, dass die Speichelsteinbruchstücke als sandartiges Material mit Hilfe medikamentöser Speichelflussanreger über den natürlichen Drüsenausführungsgang ausgeschieden werden.

Verletzungen der Gesichtsnerven und andere bekannte Operationsrisiken werden mit der Stosswellenlithotripsie vermieden. Das schonende und relativ schmerzlose Verfahren erfordert sehr selten eine örtliche Betäubung und ermöglicht auch die Behandlung von Risikopatienten, sofern die Ausschlusskriterien beachtet werden.

Speichelsteine sind häufig die Ursache für eine Speicheldrüsenfunktionsstörung. Das Haupterkrankungsalter für die drei großen Kopfspeicheldrüsen liegt zwischen der dritten und fünften Lebensdekade. Auch im Kindesalter können Steinbildungen beobachtet werden.

Das behandlungsbedürftige Speichelsteinleiden liegt bei circa 2.000 bis 5.000 symptomatischen Neuerkrankungen pro Jahr.

Speichelsteine treten in den großen paarigen Kopfspeicheldrüsen mit einer Verteilung von:

  • ca. 10% in der Glandula parotis (ist die größte Kopfspeicheldrüse; Ohrspeicheldrüse)

  • ca. 83% in der Glandula submandibularis (Unterkieferspeicheldrüse) und

  • ca. 7 % in der Glandula sublingualis (Unterzungenspeicheldrüse)

  • sowie in allen Drüsenausführungsgäng

Entstehung und Ursache:

Wie Speichelsteine entstehen, scheint noch nicht restlos geklärt. Sie sind zum Teil die Folge einer Entzündung im Drüsenbereich. Gehäuft treten Speichelsteine bei Patienten mit Erkrankungen auf, die mit einer veränderten Zusammensetzung des Speichels einhergehen. Weitere Ursachen sind u. a.: Funktionsstörung der Speichel- und Schleimdrüsen, des Verdauungs- und Atmungstraktes bezüglich der Produktion und Zusammensetzung sowie der Absonderung der entsprechenden Sekrete, Gangerweiterung und Stoffwechselstörungen.

Speichelsteine sind Konkrementablagerungen und bestehen aus anorganischen und organischen Substanzen. Kalziumkarbonat und Kalziumphosphat sind die wichtigsten anorganischen Komponenten; Glycoproteine, Polysaccharide und Überreste zerfallener Zellen (Zelldetritus) bilden die organischen Bestandteile des Steins.

Speichelsteine finden wir am häufigsten in der Unterkieferspeicheldrüse, weil das Sekret der Unterkieferspeicheldrüse zähflüssiger ist als das der Ohrspeicheldrüse und der Ausführungsgang der Unterkieferspeicheldrüse von unten nach oben verläuft, relativ lang ist und im hinteren Mundbodenbereich einen Knick aufweist. Speichelsteine der Unterkieferspeicheldrüse treten in 80-90 % der Speichelsteine im Ausführungsgang auf. Die Grösse dieser Ablagerungen kann nur wenige Millimeter, aber auch mehrere Zentimeter betragen.

Speichelsteine bleiben oft lange Zeit unbemerkt. Man nimmt an, dass ihr Durchmesser jährlich um zirka einen Millimeter zunimmt. Besonders häufig manifestiert sich ein Speichelstein erstmals in der warmen Jahreszeit, wenn der Patient zu wenig Flüssigkeit zu sich nimmt und dadurch zu wenig Speichel produziert.

Bei ungefähr 1 % der Steinträger wird die Diagnose als Zufallsbefund ohne Symptomatik gestellt, zum Beispiel im Rahmen einer zahnärztlichen Behandlung. Eine Ultraschalluntersuchung kann die Verdachtsdiagnose bestätigen.

Stosswellentherapie
Stosswellentherapie
Stosswellentherapie
Stosswellentherapie

Die Speichelsteinlithotripsie ist für den Arzt ein modernes Therapieverfahren, das sich seit Anfang der 90er-Jahre stets weiterentwickelt hat. Heute steht eine moderne Hightechmedizintechnik für die Speichelsteintherapie zur Verfügung. Dabei gelingt die Steindesintegration organ- und drüsenfunktionserhaltend, nebenwirkungsarm und ohne Narkose so vollständig, dass die Steinbruchstücke i.d.R. als sandartiges Material über den medikamentös angeregten Speichelfluss natürlich ausgeschieden werden. Unter Beachtung der Indikation zeigen sich hier eindrucksvolle Behandlungsergebnisse – auch bei Kindern.

Die Stosswellenlithotripsie (ESWL) erfolgt ambulant in der Praxis oder Klinik und erfordert in der Regel keine Lokalanästhesie.

  • Die Stosswellenapplikation erfolgt von außen durch die Haut und ist eine konservative Behandlung.

  • Die Behandlung kann im Sitzen oder liegend erfolgen.

  • Der Speichelstein wird sonografisch lokalisiert (geortet) und unter Ultraschallkontrolle präzise in den Stosswellefokus eingestellt.

  • Die Steindarstellung mittels Ultraschall verlangt Erfahrung und Geduld.

  • Nach Steinlokalisierung kann die Stosswellenapplikation mit zunächst geringer Intensität angegangen werden.

  • Unter kontinuierlicher Ultraschallkontrolle und zunehmender Intensität wird bis zur erforderlichen Stosswellenanzahl behandelt.

  • Es sind 2'000 bis circa 4'000 Stosswellenimpulse zur Zertrümmerung des Steines notwendig.

  • Insgesamt sind, abgesehen von wenigen Ausnahmen, bis zu drei Sitzungen im Abstand von 4 bis 12 Wochen sinnvoll.

  • Die Behandlungszeit liegt je nach Steinlage zwischen 45 und 90 Minuten