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Samstag, 19. Mai 2012

Riech- und Schmeckstörungen

Informationsseite für Patienten


der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie der Deutschen Gesellschaft für Hals- Nasen- Ohrenheilkunde Kopf- und Halschirurgie
HNO Gemeinschaftspraxis Traunstein

Jedes Jahr treten in Deutschland schätzungsweise bei 50 000 Menschen Störungen des Riech- oder Schmecksinnes auf. Wenn Sie also nicht mehr riechen oder schmecken können, so teilen Sie dieses Schicksal mit vielen anderen.

Was geschieht beim Riechen und Schmecken ?

Riechen und Schmecken gehören zu den Sinnen, mit denen chemische Stoffe wahrgenommen werden, d.h., sie gehören zu den chemischen Sinnen, zur Chemosensorik. Riechen und Schmecken beginnt mit Molekülen, die von den Dingen um uns herum freigesetzt werden. Diese Moleküle aktivieren dann spezielle Nervenzellen im Mund oder der Nase. Die Nervenzellen wiederum übermitteln Signale an das Gehirn, wo letztlich Schmeck- und Riecheindrücke wahrgenommen bzw. erkannt werden.

Riechzellen (olfaktorische Sinneszellen)

werden durch Gerüche um uns herum aktiviert - zum Beispiel durch den Geruch von frischem Brot oder den Geruch von Rosen. Fast alle diese Nervenzellen finden sich in einem kleinen Areal im Nasendach. Von dort werden die Signale über Fasern des Riechnerven (Nervus olfactorius) direkt an das Gehirn weitergeleitet.

Schmeckzellen (gustatorische Sinneszellen)

werden durch feste Nahrung oder Getränke aktiviert. Die Impulse werden über verschiedene Nerven (Nervus lingualis, Chorda tympani u.a.) zum Gehirn geleitet. Schmeckzellen finden sich hauptsächlich in den sog. Geschmacksknospen im Mund und im Rachen. Viele der rundlichen Erhebungen (Papillen), die Sie auf Ihrer Zunge sehen können, enthalten Geschmacksknopsen. Jeder Gesunde ist in der Lage, vier Grundqualitäten des Geschmacks zu erkennen. Das sind süß, sauer, salzig und bitter.

Darüber hinaus ist der so genannte "Fühlnerv" (Nervus trigeminus) in Nase und Mund am Zustandekommen von Riech- und Schmeckempfindungen beteiligt. Tausende von Nervenendigungen finden sich in den Schleimhäuten des Mundes und der Nase. Empfindungen, die durch diesen Nerven vermittelt werden, sind zum Beispiel das Brennen und Stechen in der Nase, das durch Zigarettenrauch oder durch Essig verursacht werden kann, oder auch der kühlende Effekt von Menthol. Ähnliche Empfindungen werden im Mundbereich z.B. durch Pfeffer ausgelöst. Beim Essen kommt das Aroma dann letztlich zustande als eine Summe aus den vier Geschmacksrichtungen, der Konsistenz und Temperatur der Speise oder des Getränks, durch den "Fühlnerven" vermittelte Empfindungen wie Brennen oder Kühlen, und den Geruchseindrücken.

Dieses aus verschiedenen Eindrücken entstandene Aroma macht dann letztlich den typischen "Geschmack" z.B. eines Pfirsichs aus. Dabei hat besonders der Riechsinn einen wesentlichen Anteil. Sie können das an sich selbst überprüfen: Wenn sie sich beim Essen von Schokolade die Nase zuhalten, wird wahrscheinlich das spezifische Schokoladenaroma kaum mehr wahrnehmbar sein - im Wesentlichen bleibt nur noch die Süße der Schokolade als Empfindung. Der typische "Geschmack" von Speisen oder Getränken ist also eine über den Geruchssinn vermittelte Empfindung.

Welche Ursachen haben Störungen des Riech- oder Schmecksinnes ?

Einige Menschen haben eine angeborene Riech- oder Schmeckstörung. Bei den meisten ist allerdings die Riech- und Schmeckstörung durch bestimmte Ereignisse verursacht. Zu diesen Ursachen gehören Virusinfekte (z.B. Grippe), oder Schädelverletzungen (z.B. Sturz oder Schlag auf den Kopf). Eine weitere häufige Ursache von Riech- und Schmeckstörungen sind Nasenpolypen, bei Erkrankungen der Nasennebenhöhlen, Störungen im Hormonhaushalt oder auch Zahnerkrankungen. Der Verlust von Riech- oder Schmeckvermögen kann ebenso durch bestimmte Chemikalien oder Medikamente ausgelöst werden. Auch im Verlauf einer Strahlentherapie z.B. bei Tumoren im Kopf/Halsbereich werden derartige Störungen beobachtet.

Wie werden Störungen des Riech- und Schmecksinnes festgestellt ?

Der Grad einer Erkrankung der chemischen Sinne kann u.a. dadurch bestimmt werden, dass man misst, in welcher Konzentration ein Riech- oder Schmeckstoff gerade eben wahrgenommen wird. Andere Tests beruhen darauf, dass die Intensität einer Riech- oder Schmeckprobe beurteilt oder bestimmte Riech- oder Schmeckproben erkannt werden müssen. Hier werden üblicherweise eine ganze Reihe von Substanzen angeboten. Bei der Schmeckprüfung werden verschiedene Konzentrationen von Schmeckstoffen in flüssiger bzw. fester Form direkt auf die Zunge aufgetragen, oder sie werden in Form von kleinen Kautabletten gegeben. Andere Verfahren beruhen auf der Ableitung von Signalen aus den Hirnströmen nach Riech- oder Schmeckreizung. Damit können Störungen objektiv erfasst und nachgewiesen werden.

Es gibt in Deutschland, Österreich und der Schweiz Zentren, in denen eine ausführliche Testung des Riech- und Schmeckvermögens durchgeführt wird. Adressen dieser Zentren erhalten Sie bei uns und sind über die Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie (www.hno.org) erhältlich.

Wie ernst sind Erkrankungen des Riech- und Schmeckvermögens ?

Bei fehlender oder verminderter Empfindlichkeit der chemischen Sinne fehlt ein wichtiges Alarmsystem, dessen Bedeutung oft erst erkannt wird, wenn es nicht mehr funktioniert. Der Geruchssinn macht auf Brände oder giftige Dämpfe aufmerksam, ohne ihn würden wir verdorbene Lebensmittel essen. Der Verlust von Riechen und Schmecken kann aber auch andere Störungen nach sich ziehen wie z.B. Depressionen. Riech- und Schmeckstörungen deuten nicht selten auf andere Erkrankungen hin, wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Mangel- oder Fehlernährung, die Parkinsonsche Erkrankung oder die Alzheimersche Krankheit.

Kann man Störungen des Riech- oder Schmecksinnes behandeln ?

Wenn die Riech- oder Schmeckstörung durch ein Medikament ausgelöst wurde, kann Weglassen, Ersatz oder Anpassung der Medikamentendosis eine Verbesserung bewirken. Bei einigen Patienten kann eine Beseitigung der zugrunde liegenden Erkrankung zu einer deutlichen Besserung führen; das gilt vor allem für Nasenerkrankungen wie Allergien, Polypen oder Nasennebenhöhlenentzündungen. Nicht selten wird auch eine spontane Erholung der Riech- und Schmeckstörung beobachtet.

Wo liegen Forschungsschwerpunkte bei Riech- und Schmeckerkrankungen ?

In Deutschland wird Riech- und Schmeckforschung vor allem in HNO-Kliniken, neurologischen Kliniken sowie psychologisch oder pharmakologisch orientierten Einrichtungen durchgeführt. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Olfaktologie und Gustologie der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde arbeitet ein Teil dieser Einrichtungen an gemeinsamen Forschungsprojekten.

Deutliche Fortschritte wurden in der Erarbeitung von Standards für die Messung von Riech- und Schmeckstörungen erzielt. So sind mittlerweile Tests ausgearbeitet, für die entsprechende Normwerte vorliegen. Darüber hinaus wurden Methoden zur objektivierenden Erfassung von Riech- und Schmeckstörungen erarbeitet, die in verschiedenen Kliniken in einem weitgehend standardisierten Verfahren angewendet werden. Die gezielte Befragung von Patienten mithilfe entsprechender Fragebögen hat bereits zu wesentlich genaueren Kenntnissen über die Verbreitung, Ursache und Ausprägung von Riech- und Schmeckstörungen geführt.

Aus dieser Forschung ist z.B. bekannt, daß das Riechvermögen mit dem Alter nachlässt, vor allem nach dem 60. Lebensjahr. Frauen sind in der Regel beim Riechen und Schmecken empfindlicher als Männer. Rauchen führt zu einer leichten Abnahme des Riechvermögens, das sich allerdings nach dem Aufhören wieder bessern kann.

Derzeit werden an verschiedenen Zentren Verfahren zur Behandlung von Riech- und Schmeckstörungen entwickelt. Dabei ist vor allem von Bedeutung, dass sich Riech- und Schmeckzellen nach einer Schädigung wieder erneuern können - anders als das in anderen Sinnessystemen der Fall ist. Dieser Umstand ist für neue Therapieansätze besonders wichtig.

Wie kann bei einer Riech- oder Schmeckstörung geholfen werden ?

Eine genaue Diagnose der Erkrankung ist wichtig. Sie kann durch einen HNO Arzt oder einen Neurologen gestellt werden. Diese Ärzte sind auf Erkrankungen im Kopf- und Halsbereich spezialisiert. Die Diagnostik kann eine grundlegende Erkrankung aufdecken, wodurch eine Behandlung der Riech- oder Schmeckstörung möglich werden kann. Darüber hinaus sprechen einige Formen von Riech- oder Schmeckstörungen gut auf bestimmte Behandlungsformen an. Selbst wenn Ihnen nicht direkt geholfen werden kann, so hilft doch möglicherweise das Gespräch mit einem kompetenten Partner dabei, den Schweregrad und die Bedeutung der Erkrankung einzuordnen. Wenn möglich sollten Sie frühere Röntgenbilder, alte Krankenakten oder eine Aufstellung derzeitig eingenommener Medikamente mit zum Arzt bringen. Stellen Sie sich darauf ein, dass der Arzt Sie zu Ihrer Gesundheit im Ganzen befragen wird.