Hörgeräteanpassung
Warum - wann - wie ?
Ein Patienten-Ratgeber

Warum ein Hörgerät?
Das Miteinander-Sprechen gehört zu den grundlegenden Voraussetzungen unserer zwischenmenschlichen Beziehung. Es setzt ein intaktes Hörorgan voraus. Ist die Funktion des Hörorgans durch Veränderungen im Innenohr gestört (z.B. bei familiärer Schwerhörigkeit, einer "Altersschwerhörigkeit"), wird das Sprachverständnis mehr oder minder beeinträchtigt. Am frühesten macht sich die Schwerhörigkeit bemerkbar, wenn in Gesellschaft mehrere Leute durcheinander reden. Der Betroffene versteht das Gesprochene dann besonders schlecht. Die Hörhilfe hat im wesentlichen das Ziel, dieses Sprachverständnis so gut wie möglich wieder herzustellen, um dem Betroffenen eine gute Kommunikation in Gesellschaft und Familie zu ermöglichen. Auch der Besuch von Vorträgen und Konzerten kann so wieder Freude bereiten.
Eine Brille stört doch auch nicht !
Eigenartigerweise ist das Ansehen von Hörgeräten viel schlechter, als das der Brille. Nicht nur "die Anderen" sehen das so, sondern auch der Patient selbst. Während es kaum jemanden stört, wenn er eine Brille verordnet bekommt, stößt die Verordnung eines Hörgerätes zunächst auf Befremdung und gelegentlich auch Ablehnung. Die Einstellung ist zum großen Teil unbegründet, denn das Hörgerät wird dem Patienten eine so große Hilfe werden, daß er es nach einer Eingewöhnungszeit gerne tragen wird. Die heutigen technischen Möglichkeiten bieten für die unterschiedlichsten Hörstörungen geeignete Lösungen. Die technischen Bausteine können dank der Mikrotechnik in sehr kleinen Hörgeräten untergebracht werden. Der kosmetische Aspekt ist von untergeordneter Bedeutung: Ein Hörgerät ist im Gegensatz zur Brille fast unsichtbar.
Was für Hörgeräte gibt es?
Bei den HDO - Geräten sitzt das Gerät hinter der Ohrmuschel. Der Schall wird über einen Schlauch und ein Ohrpaßstück vor das Trommelfell geleitet. Eine Sonderform stellen HDO-Geräte dar, bei denen der Schall durch einen Schlauch geleitet wird, der operativ durch den Gehörgang eingesetzt wird. Bei den kleineren Geräten in der Ohrmuschel ( IO - Gerät ) oder im Gehörgang entfällt der Schlauch und das gesonderte Paßstück. Kann in den Gehörgang kein Gerät eingesetzt werden und ist ein implantierbares Hörgerät nicht möglich, kann ein knochenverankertes Hörgerät weiterhelfen. Für die Schwerhörige mit Tinnitus muß die Versorgung mit einem sogenanten Tinnitusgerät bedacht werden.
Digital, voll digital - was heißt das ?
Der Einzug der Mikroelektronik hat auch vor den Hörgeräten nicht halt gemacht. Mittlerweile gibt es kleine Sprachcomputer, die den Höreindruck noch besser verstärken. Die Industrie will diese Sprachprozessoren so weit entwickeln, daß sie genau zwischen Sprache und Nebengeräuschen unterscheiden können. Damit könnten die Hörgeräte gezielter nur die Sprache verstärken, die Umgebungsgeräusche dagegen abfiltern. Ein Gerät mit einer solchen Sprachcomputer-Elektronik nennt man ein volldigitales Hörgerät. Diese volldigitalen Hörgeräte sind derzeit noch sehr teuer. Neben diesen volldigitalen Geräten werden sogenannte digital programmierbare Hörgeräte angeboten. Hierbei wird lediglich die Einstellung der Hörgeräte (Verstärkung, Regelung der Filter etc.) durch einen Computer vorgenommen. Einstellrädchen finden sich bei diesen Hörgeräten nicht mehr.
Wann ein Hörgerät?
Prinzipiell gilt: Je eher, desto besser !
Leider verhält es sich mit dem Hörgerät nicht so wie mit der Brille, die nur aufgesetzt werden muß, um besser zu sehen. Beim Hörgerät ist immer ein Gewöhnungs- und Übungsprozeß notwendig, um dem Gehirn zu ermöglichen, sich auf die Hörhilfe einzustellen. Wartet man zu lange mit der Anpassung eines Hörgerätes, so hat das Gehirn die Sinneseindrücke für das richtige Hören vergessen. Die Hörgeräteanpassung wird dann für Sie schwieriger und der Hörgewinn schlechter. Aus diesem Grund gibt es heute klare Richtlinien, ab welchem Grad der Schwerhörigkeit der Hals-Nasen-Ohren-Arzt ein Hörgerät verordnen darf und soll.
Zwei Hörgeräte oder nur eines ?
Bei beiderseitiger Schwerhörigkeit sollten auch beide Ohren mit einem Hörgerät versorgt werden! Das zentrale Hörsystem im Gehirn ist von Geburt an auf das Hören mit zwei Ohren angewiesen. Hinzu kommt, daß nur mit zwei hörenden Ohren ein Richtungshören möglich ist. Zum richtigen Hören ist aus diesen Gründen bei beidseitiger Schwerhörigkeit immer die Hörhilfe auch für beide Ohren sinnvoll. Hört ein Ohr normal, so ist dennoch eine Hörgeräteversorgung für das kranke, schlechter hörende Ohr möglich, um einen möglichst normalen Höreindruck, Richtungsgehör und die ungestörte Kommunikation in Gesellschaft zu ermöglichen.
Wie Sie zu einem Hörgerät kommen ?
Nachdem der Hals-Nasen-Ohren-Arzt durch Hörprüfungen die Schwerhörigkeit festgestellt und dokumentiert hat, stellt er einen Verordnungsbogen zur Anpassung eines Hörgerätes aus. Mit diesem Verordnungsbogen gehen Sie zum Hörgeräteakustiker, der Ihnen entsprechend der Art Ihrer Schwerhörigkeit eine Auswahl von Hörgeräten zur Probe anpasst. Hierbei werden so weit wie möglich auch Ihre persönlichen und beruflichen Anforderungen berücksichtigt. Der Anpassungsvorgang durch den Hörgeräteakustiker ist zeitaufwendig. Die vorgegebenen Daten aus den Hörprüfungen geben ihm zwar viele Hinweise, welches Hörgerät er nehmen soll. Am Ende müssen Sie jedoch selbst entscheiden, mit welchem Hörgerät Sie den besten Höreindruck haben. Nicht immer gefällt einem das teuerste Gerät am besten. Nachdem Sie zusammen mit dem Hörgeräteakustiker ein Hörgerät ausgesucht haben, bekommen Sie das Hörgerät kostenlos zum "Ausprobieren" mit nach Hause. Bei älteren Patienten empfehlen wir, daß sie zum Anpaßvorgang beim Hörgeräteakustiker und auch eventuell zur Besprechung bei uns, einen jüngeren Angehörigen mitbringen.
Warum Probetragen ?
Auch die besten Meßgeräte können nicht vollständig nachempfinden, wie Sie mit dem Hörgerät hören werden. Dazu kommt, daß sich des Gehirn durch Training an das Hörgerät gewöhnen muß. Ein probeweises Tragen des Hörgerätes zu Hause muß also sein. Vereinbaren Sie mit Ihrem Hörgeräteakustiker einen Zeitraum, in dem Sie das Hörgerät zu Hause, am Arbeitsplatz und auch in der Freizeit testen können. Dieser Zeitraum des Probetragens kann niemals kürzer als zwei Wochen sein, um einen richtigen Eindruck zu gewinnen. Nutzen Sie diese Zeit dazu, um zu versuchen, in möglichst vielen verschiedenen Situationen mit dem Hörgerät zurecht zu kommen. Zu Abschluß der "Probezeit" sollen die Hörgeräte dann den ganzen Tag ohne Unterbrechung getragen werden. In der Probezeit steht dem Patienten der Hörgeräteakustiker zur Seite und hilft, mit den verschiedenen Einstellungen zurechtzukommen. Sollten Sie nicht davon überzeugt sein, daß das Hörgerät Ihren Wünschen und Anforderungen entspricht, wird ein anderes Modell versucht. Erst nachdem Sie und der Hörgeräteakustiker überzeugt sind, das richtige Modell ausgewählt zu haben, suchen Sie wieder den HNO-Arzt auf, der anhand einer Hörprüfung mit und ohne Hörgerät den Hörgewinn überprüft. Durch die Unterschrift des Hals-Nasen-Ohren-Arztes wird dann die Hörgeräteanpassung abgeschlossen und dies auch von der Krankenkasse akzeptiert. Bitte haben Sie am Anfang etwas Geduld; es braucht Zeit, bis man sich an diese Hilfe gewöhnt hat. Wir sind sicher, daß Sie einen Nutzen von Ihrem Hörgerät haben werden.
Wer bezahlt das Hörgerät ?
Im allgemeinen werden die Kosten für das Hörgerät von der Krankenkasse übernommen, die Batterien zur Stromversorgung des Hörgerätes zahlt der Patient selbst. Besondere technische Einrichtungen des Hörgerätes und besondere Modelle werden nicht vollständig von der Krankenkasse bezahlt, so daß der Patient unter Umständen einen eigenen Anteil bezahlen muß. Sprechen Sie sich bei der Auswahl der Hörgeräte mit dem Hörgeräteakustiker ab, wie hoch dieser Eigenanteil im Einzelfall sein wird. Fragen Sie immer genau nach den Kosten, die Sie selbst tragen müssen!
Und wenn ich mir ein Hörgerät nicht leisten kann ?
Es gibt immer Möglichkeiten, ein Hörgerät ohne Selbstbeteiligung zu bekommen. Scheuen Sie sich nicht, gegenüber dem Arzt und dem Hörgeräteakustiker Ihre Sorgen diesbezüglich mitzuteilen. Beide werden einen Weg finden, auch dann ein passendes Hörgerät zu finden.
Hörgeräte im Ohr oder hinter dem Ohr ?
Viele Menschen möchten ein möglichst klein im Gehörgang verstecktesHörgerät, denn in der Ohrmuschel oder sogar im Gehörgang tragbare Geräte sind ja heute schon auf dem Markt. Die herkömmliche Methode ist das Tragen eines Hörgerätes hinter dem Ohr (HdO-Gerät). Die Elektronik ist in einem - heute schon sehr kleinen - Kunststoffgehäuse fast unsichtbar hinter der Ohrmuschel versteckt. Der Schall wird auf das sogenannte Ohrpaßstück in der Ohrmuschel bzw. in den Gehörgang übertragen. Diese Geräte können mehr Elektronikteile aufnehmen und sind deshalb bei speziellen Hörproblemen unter Umständen sogar besser geeignet als Hörgeräte in der Ohrmuschel.Im Einzelfall wird der Hörgeräteakustiker beraten. Sie sollten selbst beide Gerätetypen ausprobieren. Wichtigstes Kriterium sollte das bestmögliche Hören und nicht die Kosmetik sein! Von den Krankenkassen wird allerdings ein Im-Ohr-Gerät nur ganz bezahlt, wenn ein HDO-Gerät nicht den gewünschten Effekt erzielen konnte. Bei bestimmten Hörstörungen ist eine "offene Versorgung" günstiger als wenn der Gehörgang durch ein Paßstück oder das Gerät selbst verschlossen wird. Hier bietet es sich an, in einem kleinen operativen Eingriff in örtlicher Betäubung einen Verbindungsschlauch von dem Gerät hinter den Ohr in den Gehörgang zu legen.
Hörgeräte - unter die Haut eingesetzt
Inzwischen lassen sich Hörgeräte bereits ins Ohr einpflanzen (implantieren). Hierzu wurden in Deutschland bisher zwei Systeme entwickelt. Die Arbeitsgruppe um Prof. Lenarz (Hannover) sammelte Erfahrungen mit Implantaten der Firma Symphonix. Ein elektromagnetischer Verstärker wird direkt an ein Gehörknöchelchen (Amboß) gekoppelt, der Empfängerteil unter die Haut oberhalb des Ohres implantiert und ein magnetischer Verstärkerteil mit Mikrophon auf die Haut in dieser Region aufgesetzt. Dieses sogenannte teilimplantierte Hörgerät wurde bis Mitte 2000 weltweit bereits ca 400 mal ohne wesentliche Komplikationen und mit überraschend gutem, ja optimalem Hörgewinn eingesetzt. Aufgrund der guten Erfahrungen führen wir die Implantation der Symphonix-Geräte seit Ende 1999 auch in Traunstein durch. Einen anderen Weg gehen Prof. Zenner und Mitarbeiter (Tübingen). Hier wird ein piezoelektrischer Wandler an den Amboß im Mittelohr gekoppelt. Das Mikrophon wird in den Gehörgang in Trommelfellnähe eingesetzt, der Verstärker befindet sich in den knöchernen Höhlen des Ohres. Somit ist dieses Hörgerät vollständig implantiert, äußerlich müssen keine weiteren Geräte aufgesetzt werden.Der Einsatz dieser Geräte ist noch streng auf die Patienten beschränkt, die keine üblichen Hörgeräte tragen können, weil sich der Gehörgang immer wieder entzündet, und auf Patienten, bei denen mittels der herkömmlichen Hörgerätetechnik kein ausreichender Hörgewinn zu erzielen ist. Die Zukunft wird zeigen, welche weiteren Patienten durch solche implantierbaren Hörgeräte profitieren.
Knochenverankerte Hörgeräte
Bei Patienten mit operierten, vernarbten und mißgebildeten Mittelohren, die herkömmliche Hörgeräte nicht vertragen, kommen die implantierbaren Hörgeräte nicht infrage. Hier kann eine Schraube in den Schädelknochen in einem schmerzlosen kurzen Eingriff eingesetzt werden. Nach Einheilung dieses sonst nicht störenden "Knochenankers" im Haarbereich hinter dem Ohr wird das spezielle Hörgerät einfach aufgesetzt. Wie der Sprachprozessor des teilimplantierten Hörgerätes versteckt sich auch das knochenverankerte Hörgerät im Haar.
Warum ein Hörgerät bei Ohrgeräuschen ?
das Ohrgeräusch mit Schwerhörigkeit verbunden, kann das Hörgerät helfen, vom Ohrgeräusch abzulenken. Es überträgt die Geräuschkulisse des Alltags ans Ohr. Der Patient fühlt sich dadurch dem Ohrgeräusch nicht mehr so ausgesetzt und kann es besser ertragen. Soll ein gleichzeitiges Retraining durchgeführt werden, so kann der dazu notwendige Rauschgenerator mit einem Hörgerät kombiniert werden. Diese Kombinationsgeräte mit Verstärkerteil und Geräuscherzeuger nennt man auch Tinnitus-Instrumente. Eventuell kann auch ein Hörgerät mit einem eigenen Grundrauschen des Verstärkers geeignet sein.
Wie sieht die Nachbetreuung aus ?
Wenn Sie technische Probleme mit Ihrem Gerät haben, steht der Hörgeräteakustiker bereit. Bei Problemen, die beim Tragen des Hörgerätes auftreten, sollten Sie den Hals-Nasen-Ohren-Arzt befragen. Naturgemäß ist der Gehörgang durch das Tragen eines Hörgerätes stärker belastet. Das Hörgerät kann durch Ohrenschmalz verstopft werden. Deshalb kann ein regelmäßiges Reinigen des Gehörganges unter dem Mikroskop notwendig werden. Der zeitliche Abstand diese Ohrreinigungen ist von Patient zu Patient unterschiedlich und liegt bei 3 Monaten bis einem halben Jahr. In Einzelfällen muß der Gehörgang auch in kürzeren Abständen gereinigt werden. Gelegentlich kommt es im Laufe der Zeit dazu, daß das Ohrpaßstück, welches den Gehörgang mit dem eigentlichen Hörgerät verbindet, nicht mehr richtig sitzt und Hörgerät pfeifft. Dadurch verschlechtert sich das Gehör. In diesem Fall muß ein neues Ohrpaßstück angefertigt werden. Diese Probleme stellen sich allerdings erst im Laufe des längeren Tragens der Hörgeräte ein. Mindestens einmal jährlich sollte das Hörvermögen kontrolliert werden, um eine etwaige Verschlechterung feststellen zu können; teilweise müssen dann lediglich die Einstellungen am Hörgerät verändert werden.
Wann soll das Hörgerät getragen werden ?
Es ist ratsam, das Hörgerät möglichst den ganzen Tag über zu tragen, auch wenn man alleine ist. Erst dann gewöhnen sich die Ohren und vor allem das zentrale Hörsystem an die technische Hilfe, eine Voraussetzung für das Gefühl, mit dem Hörgerät deutlich besser hören zu können. Es ist nicht sinnvoll, das Hörgerät nur zu bestimmten Anlässen zu tragen. Etwas anderes ist es natürlich, wenn an der Arbeitsstelle oder auch bei bestimmten Tätigkeiten zu Hause (z.B. Arbeit an der Säge) starker Lärm auftritt. In diesen Situationen ist es ratsam, das Hörgerät auszuschalten, aber nicht herauszunehmen.
Wie lange hält ein Hörgerät ?
Das Hörgerät ist so gebaut, daß es den täglichen Einsatz über Jahre überstehen kann. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für ein neues Hörgerät, wenn das alte etwa 5-6 Jahre getragen wurde oder wenn das alte Gerät nicht mehr ausreichend funktioniert oder kaputt ist.
Ablauf einer Hörgeräteanpassung
Hörgeräteverordnung durch Ihren Hals-Nasen-Ohren-Arzt
Lassen Sie sich einen Termin bei dem Hörgeräteakustiker Ihrer Wahl geben
Vorbereitende Messungen und Besprechung der Hörgerätemöglichkeiten
Erprobung des Hörgerätes in vertrauter Umgebung
Nachsorgetermin beim Akustiker
Vorstellung mit dem Hörgerät beim HNO-Arzt und endgültige Verordnung
Adressen der Hörgeräte-Akustikerin Traunstein und Traunreut
Amplifon, Marienstr. 1, 83278 Traunstein, Tel.: (0861) 166 41 48
Trepl Fachzentrum Hören, Maximilianstr. 23, 83278 Traunstein Tel.: (0861) 30 80
Trieb Optik-Hörgeräte Nansenstr. 2, 83301 Traunreut Tel.: (08669) 21 34




